Damit morgen nicht das Licht ausgeht: Das 350 Millionen Euro schwere Förderprogramm des Bundes für die IT-Sicherheit

von

Lesezeit: Minuten ( Wörter) | Seitenaufrufe: 73

Die Bundesregierung hat in den letzten Monaten gleich mehrere Förderprogramme zugunsten der IT-Sicherheit im Land beschlossen. Die Initiative „Digital. Sicher. Souverän.“ zielt auf die IT-Sicherheitsforschung ab und ist auf fünf Jahre ausgelegt. Mit dem Förderprogramm „Digital Jetzt“ will die Bundesregierung zusätzlich den Mittelstand unterstützen und technologisch voranbringen.

Welche Förderprogramme hat der Bund beschlossen und welchen Umfang haben diese?

Zu Beginn des Junis 2021 verlängerte die Bundesregierung das Förderprogramm „Digital. Sicher. Souverän.“ um fünf Jahre. Gleichzeitig wurden die Finanzmittel von 180 auf 350 Millionen Euro angehoben. Diese Mittel fließen unter anderem in die IT-Sicherheitsforschung.

Das Förderprogramm „Digital Jetzt“ unterstützt die Digitalisierung im Mittelstand. Insgesamt stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) 114 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Das Budget wurde von 57 Millionen Euro im Jahr 2020 nochmals deutlich aufgestockt. Das Förderprogramm „Digital Jetzt“ läuft zunächst bis 2024.

Eine weitere Komponente des Förderprogramms vom Bund ist „go-digital“. Hier liegt der Fokus auf der Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen. Diese erhalten über das Programm fachliche Beratung bei Digitalisierungsprozessen. Das Programm existiert bereits seit 2017. Die erste Phase läuft zum 31. Dezember 2021 aus.

Jetzt keinen Blogbeitrag mehr verpassen!

  • 12x im Jahr aktuelle News aus der IT Security Welt
  • 4x im Jahr exklusive Einladungen zu kostenlosen IT Security Webinaren
  • 1 kostenloses Whitepaper zu unserem Threat Hunting Service Active Cyber Defense

Für wen ist das Förderprogramm „Digital Jetzt“ gedacht und wie wird es beantragt?

„Digital Jetzt“ ist ein Förderprogramm für Unternehmen aus dem Mittelstand. Dies sind Betriebe mit 3 bis 499 Beschäftigten. Die Fördermittel sind nicht auf bestimmte Branchen beschränkt, sodass jedes Unternehmen einen Antrag stellen kann. Die Bundesregierung fördert Digitalisierungsvorhaben, wie etwa die Investition in ERP-Software. Teil des Antrags muss ein Digitalisierungsplan sein, aus dem klar hervorgeht, in welche Systeme die Investitionen fließen, wie der aktuelle Stand der Digitalisierung ist und welche Ziele das Unternehmen mit der Modernisierung verfolgt.

Für die Beantragung gibt es eine eigene Webseite, die unter der Adresse https://digital.jetzt/ eingerichtet ist. Seit dem 7. September 2020 haben kleine und mittelständische Unternehmen die Möglichkeit, Fördermittel zu beantragen. Dies ist noch bis einschließlich 2023 möglich.

Konkrete Höhe der Förderungen über „Digital Jetzt“

Wer die Anforderungen für das „Digital Jetzt“ Förderprogramm des Bundes erfüllt, hat die Möglichkeit, Unterstützung für die Investition in die IT-Sicherheit und andere Digitalisierungsmaßnahmen des eigenen Unternehmens zu erhalten.

Die Förderquote liegt zwischen 40 und 55 Prozent. Dies ist abhängig von verschiedenen Faktoren. Die Basisförderung liegt bei 50 Prozent. Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten erhalten grundsätzlich eine fünf Prozent höhere Förderung als Betriebe mit 251 bis 499 Mitarbeitern. Für Anträge, die nach dem 30. Juni 2021 eingehen, gelten um zehn Prozent gesenkte Fördersätze.

Der Bund fördert mit „Digital Jetzt“ eine Vielzahl an unterschiedlichen Investitionen. Diese müssen nicht unbedingt direkt in Hard- oder Software fließen. Auch Fortbildungen der Angestellten fallen unter das Förderprogramm des Bundes. Insgesamt haben mittelständische Unternehmen die Möglichkeit, bis zu 100.000 Euro an Fördergeldern zu erhalten. Die Hälfte dieser Gelder steht zur Verfügung, wenn Unternehmen in die IT-Sicherheit oder die Wertschöpfungskette investieren. Für andere Projekte stehen maximal 50.000 Euro pro Unternehmen bereit.

Das Förderprogramm „go-digital“ – Umfang und Beantragung

Dieses Programm setzt sich aus drei Bereichen zusammen. Hierbei handelt es sich um digitalisierte Geschäftsprozesse, digitale Markterschließung und die IT-Sicherheit. In diesen drei Modulen stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie kleinen Unternehmen Hilfestellungen bereit. Diese erfolgen in Form von Beratungsleistungen.

Es gibt eine Liste von autorisierten Beratungsunternehmen, die den Unternehmen die Förderleistungen bereitstellen. Auch secion gehört zu den Beratungsunternehmen. Diese Beratungsunternehmen übernehmen den direkten Kontakt, stellen die Anträge für die Förderungen beim Bund und agieren auch als Kontrollorgan.

Das „go-digital“ Programm unterstützt vor allem kleinere Unternehmen.

Die Grenze für Unternehmen, die für eine „go-digital“ Förderung qualifiziert sind, liegt bei maximal 100 Mitarbeitern sowie einem Jahresumsatz oder einer Jahresbilanzsumme von höchstens 20 Millionen Euro. Die Höhe der Förderung ist auf einen Beratertagessatz von 1.100 Euro begrenzt. Bis zu dieser Grenze übernimmt der Bund die Hälfte der anfallenden Beratungskosten. Maximal haben Unternehmen die Möglichkeit, die Förderung für maximal 30 Tage in Anspruch zu nehmen, wobei ein Zeitraum von sechs Monaten für den Abschluss der Beratungstätigkeit gilt. Im Rahmen dieses Consultings helfen die Berater bei der Verbesserung der IT-Sicherheit in den Unternehmen, entwickeln individuelle Konzepte für die Digitalisierung oder erstellen Strategien für den Aufbau eines Online-Handels sowie ähnlichen digitalen Strukturen. Das Ziel der „go-digital“ Förderung ist also die Stärkung der digitalen Infrastruktur in kleinen Unternehmen, durch konkrete, praktische und individuelle Lösungen.

Welche Ziele und Bestandteile haben die Förderprogramme des Bundes?

Die Förderprogramme des Bundes verfolgen jeweils unterschiedliche Ziele und richten sich auch an andere Zielgruppen.

  • Das Ziel von „Digital. Sicher. Souverän.“ ist es, digitale Schlüsseltechnologien in Deutschland voranzutreiben. Das Förderprogramm will dazu beitragen, dass Deutschland beim nächsten Mobilfunkstandard 6G einer der Technologieführer ist. Dieser Bereich wird als technologische Souveränität bezeichnet und umfasst darüber hinaus Technologien wie Künstliche Intelligenz oder sicherheitskritische Netzkomponenten. Die Bundesregierung hat erkannt, dass Cyberbedrohungen in Zukunft zu den zentralen Sicherheitsrisiken im Alltag gehören. Aus diesem Grund wird verstärkt in die IT-Sicherheitsforschung investiert, wobei „Digital. Sicher. Souverän.“ ein Baustein ist. Als Beispiel führt der Bund das autonome Fahren an. Die Systeme in diesen Fahrzeugen sammeln und werten Unmengen von Daten aus. Der Schutz dieser Informationen hat eine hohe Priorität. Außerdem ist es unabdingbar, dass solche autonomen Steuerungen vor Manipulationen geschützt sind. Ansonsten sind die Fahrzeuge Cyberbedrohungen ausgesetzt, die im schlimmsten Fall Unfälle und Störungen der Verkehrsnetze hervorrufen.

    Aus diesem Grund beschäftigt sich die IT-Sicherheitsforschung mit dem Bereich der Quantenkommunikation. Das Förderprogramm des Bundes unterstützt die Erforschung dieser Technologie wie auch die Entwicklung von kompletten Systemen für die Datenübertragung im Bereich des autonomen und vernetzten Fahrens. Die Quantenkommunikation verspricht, Möglichkeiten für eine abhör- und manipulationssichere Datenübertragung bereitzustellen.
  • Ab dem Jahr 2022 wird ein Forschungsnetzwerk zu den Themen De-Personalisierung und Anonymisierung mit den Finanzmitteln aus der Förderung eingerichtet. Das Ziel dieser IT-Sicherheitsforschung ist es, die privaten Daten der Bundesbürger besser zu schützen. Durch die Anonymisierung von Daten und die Minimierung der Erhebung von personenbezogenen Daten verspricht sich der Bund einen gesteigerten Datenschutz. Konkrete Wege für die Umsetzung dieser Pläne will das Forschungsnetzwerk ausarbeiten.
  • Auch IoT, also das Internet der Dinge, ist ein Themenpunkt im Förderprogramm des Bundes. Zu den langfristigen Zielen gehört es, IoT in der Industrie, im Bereich der kritischen Infrastruktur sowie im privaten Bereich sicherer zu machen. Cyberbedrohungen drohen im Smart Home ebenso wie in industriellen IoT-Szenarien. Die IT-Sicherheitsforschung in diesem Bereich wird durch Finanzmittel gezielt unterstützt. Im Bereich der Hardware legt das Förderprogramm den Fokus auf Chip-Architekturen. Hier erfolgt eine Investition in die IT-Sicherheitsforschung, sodass abgesicherte digitale Schnittstellen und Standards im Bereich der Lieferketten entstehen. Auf diese Weise zielt die Initiative darauf ab, die Sicherheit von Systemen durch abgesicherte Bauteile zu gewährleisten.
  • Bei „Digital Jetzt“ handelt es sich um eine Initiative für die Verbesserung der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit von mittelständischen Unternehmen. Ein Ziel ist die Steigerung des Grades der Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen. Außerdem steht die Verbesserung von IT-Kompetenzen und Qualifikationen der Mitarbeiter auf der Agenda. Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sind 52 Prozent der mittelständischen Unternehmen nur mäßig digitalisiert und 34 Prozent dieser Betriebe verfügen über keinerlei Digitalkompetenzen. Das Ziel ist es weiterhin, die IT-Sicherheit von KMUs zu verbessern. Die Bundesregierung möchte außerdem Unternehmen in strukturschwachen Regionen und neue, digitale Geschäftsmodelle fördern.

Gründe für die Förderung der Digitalisierung durch den Bund

Forschungsministerin Anja Karliczek von der CDU äußerte sich Anfang Juni 2021 zu der Initiative der Bundesregierung. Dabei gab sie Einblicke in die Ziele und Gründe für die Förderprogramme des Bundes.

Einerseits geht es darum, vor allem dem Mittelstand die Vorteile der Digitalisierung zugänglich zu machen. In diesem Bereich herrscht nach wie vor Nachholbedarf. Die Hauptgründe für verpasste Chancen der Digitalisierung liegen in mangelndem Know-how sowie fehlenden Finanzmitteln. Deshalb setzen die Förderungen exakt an diesen Punkten an. Kleinen und mittelständischen Unternehmen wird der Zugang zu fachlicher Beratung erleichtert. Gleichzeitig erhalten sie finanzielle Unterstützung, wenn sie in die Digitalisierung investieren. Andererseits erwähnte die Ministerin auch die Gefahren durch Cyberbedrohungen. Gefährdet sind nicht nur Unternehmen, sondern auch staatliche Einrichtungen, die Infrastruktur des Landes sowie Privatpersonen. Laut dem BSI tauchten alleine im Jahr 2020 rund 117 Millionen neue Varianten von Schadsoftware in Deutschland auf und über 24 Millionen Datensätze von Deutschen waren frei im Internet verfügbar. Dies ist ein weiterer Grund, warum die Bundesregierung sich in der nahen Zukunft auf die IT-Sicherheitsforschung fokussiert.

Fazit

Die Bundesregierung investiert mehr in die IT-Sicherheitsforschung und stellt über die nächsten Jahre Mittel bereit, um die Digitalisierung im Mittelstand voranzutreiben. Beide Punkte sind wichtig, um Deutschland auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten. Cyberbedrohungen sind bereits heute eine ernstzunehmende Realität. Sie bedrohen schon jetzt unseren Alltag, da gezielte Angriffe auf kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser oder Energieversorger zunehmen. Die fortschreitende Digitalisierung in allen Bereichen, unabhängig davon, ob privat, staatlich oder gewerblich, schafft weitere Angriffspunkte. Die Investition in die IT-Sicherheit sowie die IT-Sicherheitsforschung haben aus diesen Gründen höchste Priorität. Das Förderprogramm des Bundes ist ein Schritt in die richtige Richtung – jedoch kein Allheilmittel. Unternehmen und Organisationen stehen darüber hinaus selbst in der Pflicht, die vorhandenen Lösungen für die IT-Sicherheit zu implementieren.

Haben Sie Fragen zu den Förderprogrammen des Bundes? Kontaktieren Sie uns - wir beraten Sie gerne!

Durch Klicken auf die Schaltfläche "Absenden" bestätigen Sie, unsere Richtlinien zum Datenschutz gelesen zu haben. Sie geben Ihr Einverständnis zur Verwendung Ihrer personenbezogenen Daten zu dem von Ihnen angegebenen Zweck der Kontaktaufnahme durch die secion GmbH.

Zurück